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Ausblick 2010 - Die Schlachtfelder der Häuptlinge![]() Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzte- verbandes e.V. (Bild: Klaus Schmidt)
KASSENARZT: Welche Aufgaben werden Sie 2010 angehen?
WEIGELDT: Die wichtigste Aufgabe bleibt, den Hausarztberuf wieder attraktiver zu machen. Ein Weg dahin ist aus unserer Sicht, über die Vertragsautonomie zu einer besseren Vergütung zu kommen. Einige Verträge haben wir bereits abgeschlossen. Zuletzt haben wir den ersten bundesweiten Vertrag mit der Signal Iduna IKK abgeschlossen. Weitere Verhandlungen sind im Gange: In Bayern und Bremen sind die ersten Schiedsverfahren abgeschlossen. Kurz gesagt: Die Umsetzung dieser Verträge ist die Hauptaufgabe in diesem Jahr. Wie werden die Schiedsverfahren vorangetrieben? Wir können ja nur die Schiedsverfahren selbst einleiten. Im Schiedsverfahren sind dann die Schiedspersonen Herren des Verfahrens. Wir beliefern sie mit Daten, geben Stellungnahmen ab und begründen, warum wir die Verträge machen und wie wir sie machen. Wir haben festgestellt, dass Vollversorgungsverträge sowohl hinsichtlich der Qualität als auch der Wirtschaftlichkeit Vorteile haben und uns mehr Zeit für unsere Patienten geben. Wie wollen Sie die Akzeptanz der Kassen erhöhen? Die Ersatzkassen sträuben sich ja immer noch gegen 73 b. Wir haben hier einen Verband der Ersatzkassen, der wie eine Wagenburg agiert. Es gibt immer zwei Sorten Menschen, diejenigen, die nach vorne schauen und etwas bewegen wollen, und die, die den Status quo verteidigen. In der Regel verlieren die, die den Status quo verteidigen. Wir bleiben natürlich gesprächsbereit. Ich glaube nicht, dass die starre Haltung des Verbandes noch lange anhalten wird. Sie sind also der Meinung, dass die Ersatzkassen nachgeben werden? Es wird zu Verhandlungen oder zu Schiedsverfahren kommen. Eins von beidem passiert auf jeden Fall. Gehen Sie davon aus, dass 2010 flächendeckend die 73-b-Verträge unterzeichnet sind? Wenn Sie so fragen, zu 80 Prozent ja. Mag sein, dass es hier und da und in dem einen oder anderen Bundesland etwas schwierig ist. Ich glaube, dass wir in den nächsten Jahren auch mit den anschließenden Verträgen für die fachärztliche Versorgung nach § 73 c SGB V weiterkommen. Wir wollen ja eine wirklich vernünftige Versorgung für unsere Patienten organisieren. Dazu gehören auch Facharztverträge. Sollten denn die Hausärzte aus dem KV-System ausgegliedert werden? Nein, das KV-System soll bestehen bleiben. Es gibt auch keinen Grund, es abzuschaffen. Das KV-System selbst redet ja von Wettbewerb, und wir haben nichts gegen Wettbewerb. Wir wollen nur nicht im Wettbewerb unfair behindert werden, und wir müssen besser sein, um die Ärzte für uns zu gewinnen. Insofern glaube ich nicht, dass wir eine Abrissbirne in der Hand haben und damit herum- schwenken. Wir wollen eine vernünftige Versorgung und haben positive Ziele. Das KV-System wird sich anpassen müssen. Auch die Telekom musste sich anpassen, als der Markt geöffnet wurde. Sie lebt heute auch noch. Wie stellen Sie die Qualitätsüberprüfung sicher? Die Qualitätssicherung ist ein Kapitel für sich. Ein ganz wichtiger Punkt ist selbstverständlich der Patient, dessen Zufriedenheit in der primärärztlichen Versorgung von ganz großer Bedeutung ist. Der Patient schreibt sich ja freiwillig in so einen Hausarztvertrag ein. Und wenn er das Gefühl hat, er wird nicht vernünftig behandelt, wird er sich auch wieder ausschreiben. Niemand ist gezwungen, in diesem System zu bleiben, weder ein Arzt noch ein Patient. Insofern ist die Qualitätssicherung vielleicht noch direkter als bei anderen Verträgen. Wieso erreichen Sie eine bessere Vergütung als die KVen? Wir erreichen sie durch eine andere Vergütungsstruktur. Unsere Verträge haben eine ganz klare Gebührenordnung, beispielsweise mit kontaktunabhängigen Grundpauschalen. Und für die Versorgung von chronisch Kranken gibt es einen Extrabonus. Das bilden wir nicht mehr in komplizierten Einzelleistungen ab, sondern mit Pauschalen. Was wir durch das Einschreibesystem nicht mehr haben, ist, dass sich Patienten an mehreren Stellen gleichzeitig mit Rezepten eindecken oder ein und dieselbe Leistung mehrfach in Anspruch nehmen. Das Ganze wird gesteuert. Wir haben zwar in Deutschland die höchste Anzahl von Arzt-Patienten-Kontakten, aber gleichzeitig die geringste Kontaktzeit zwischen Arzt und Patient. Wenn wir die Kontaktzahl durch Einschreibungen verringern und die Kontaktzeit erhöhen, verbessern wir automatisch die Qualität. Welche Erwartungen haben Sie an die Regierung? Wir erwarten, dass sie uns bei unserem Bemühen um einen fairen Wettbewerb unterstützt. Was wir nicht wollen, ist, dass dem einen im Wettbewerb Bleigewichte an die Füße gehängt werden und der andere dagegen Flügel verliehen bekommt. Was planen Sie, gegen den Ärztemangel zu unternehmen? Wir müssen den jungen Kollegen vernünftige Arbeitsbedingungen auf einem soliden wirtschaftlichen Fundament bieten und verbesserte Ausbildungsbedingungen schaffen. Wichtig ist ein vernünftiges Honorar, wie auch ein attraktives Förderprogramm zur Weiterbildung. Mit einer unserer Kampagnen, beispielsweise der Kampagne Perspektive Hausarzt, wenden wir uns an die Studierenden, aber auch an Assistenten, und sagen: Schaut euch doch mal den Beruf an, schaut, ob das nicht etwas für euch ist. Gute Bedingungen schaffen und eine gute Kampagne machen, das sind die wichtigsten Punkte. Seiten dieses Kapitels:
Weigeldt: Mehr Zeit für PatientenKöhler: Mehr Wettbewerb Baumgärtner: Mehr Facharztverträge Bittmann: Mehr Freiheiten Winn: Leistungskatalog entrümpeln Grauduszus: Direkte Vertragsverhältnisse Ballast: Gegen Vertragsdiktate
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