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Praxis-TÜV kommt - Medizin geht
von Dr. Dr. Schlüter
Heute war es wieder so weit: Die von mir beauftragte Firma zur Geräteüberwachung und Geräteeichung kam nach Ablauf der Jahresfrist wieder vorbei.Ich hatte etwas Zeit, mich mit dem Herrn, nennen wir ihn einmal Praxis-TÜV, über Sinn und Unsinn der verschiedensten Bestimmungen zu unterhalten.Keine Eichmöglichkeit für das ErgometerAnlass war eigentlich mein Ergometer-Arbeitsplatz, der mittlerweile in die Jahre gekommen ist. Infolgedessen kann es eben auch nicht geeicht werden. Ich weiß, dass hier eine Investition ansteht, scheue diese Ausgaben verständlicherweise. Na ja, meint er, wenn Sie sich ein neues Ergometer anschaffen, das können wir auch nicht eichen. Wieso?, frage ich. Das notwendige Eichgerät ist für uns zu teuer, das macht ein anderes Großunternehmen, für das sich ein solches Gerät lohnt. Die Eichung, die Sie alle zwei Jahre durchführen lassen müssen, kostet Sie dann auch noch mal rund 200 Euro. Puff! Das saß. Schnell kalkuliert, meinte ich, Anschaffungspreis, Unterhaltungskosten und dann jedes zweite Jahr noch 200 Euro für die Geräteeichung, das rechnet sich doch nicht mehr. Die lapidare Antwort von Herrn Praxis-TÜV: Dann schicken Sie die Patienten fort!Schicken Sie die Patienten doch fortDas geht doch weiter in Ihrem kleinen OP, meinte er noch. Der Heißluftsterilisator ist nicht mehr zugelassen. Die zugelassenen Sterilisatoren sind zu teuer. Sie können nur auf Einwegbestecke zurückgreifen. Das rechnet sich aber auch nicht. Was mach ich dann mit der kleinen Chirurgie, der Wundversorgung etc.? Schicken Sie die Patienten fort! Mein Idealbild des Hausarztes, des Generalisten, der für die wohnortnahe Grundversorgung der Patienten verantwortlich ist, gerät ins Schwanken. Ja, ist das denn das politisch gewollte Ziel? Sind meine Zukunft das Stethoskop und das Neurologenhämmerchen?Darf ich jetzt alles, was mich bislang als qualifizierten Hausarzt ausgewiesen hat, einstellen? Hab ich nicht schon genug hinter mir lassen müssen an Leistungen, die ich früher erbracht habe? Einzig und allein, weil sich die Leistungserbringung nicht mehr lohnt. Die Schwangerenvorsorge, die gynäkologische Sonografie, die Chirotherapie, die therapeutische Lokalanästhesie. Da wird auch die hausärztliche Praxis über die Hintertür sozusagen demontiert. Wir werden einfach über Nebenkosten, Zusatzkosten und kostenintensive Qualitätsbestimmungen finanziell ausgehungert. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, wie lange sich noch Rektoskopie, Sonografie, Langzeit-EKG rechnen, das heißt betriebswirtschaftlich sinnvoll erbringen lassen. Wenn ich ehrlich bin, der Zeitpunkt ist schon vorbei. Nur weil diese Geräte finanziert sind, kann ich die Leistungen erbringen, wirtschaftlich für mein Unternehmen ist das aber längst nicht mehr. Perfidie hat SystemAber alle Patienten fortschicken, das ist auch nicht die ideale Lösung, ja, es klingt geradezu grotesk, dass die medizinische Versorgung immer besser werden soll, andererseits der Patient aber immer häufiger von Facharzt zu Facharzt geschickt wird. Hier wird in meinen Augen wieder die Gemeinheit oder die Knebelung der Vertragsärzte durch die gedeckelte Gesamtvergütung klar. Wenn mehr Patienten zu Fachärzten geschickt werden, würde das in einem freien marktwirtschaftlichen System automatisch eine Teuerung verursachen. Unter den Bedingungen einer gedeckelten Gesamtvergütung kann eben nur der Punktwert beziehungsweise das RLV floatieren.Die Rechnung zahlt der HausarztLetztendlich zahlen die Mehrausgaben durch die vermehrte Überweisungstätigkeit wir Ärzte. Ach ja, meint Herr Praxis-TÜV noch, für Labor und OP benötigen Sie neue Seifen- und Desinfektionsspender. Solche nämlich mit langem Bedienungshebel, die für die Ellenbogenbenutzung geeignet sind. Die sollten eigentlich an jeder Waschstelle in Ihrer Praxis vorhanden sein. Ob es da nicht günstiger wird, einige Waschbecken zum Sperrmüll zu geben?
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