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Liebe Freunde, liebe Feinde,wo ist eigentlich die Opposition? Ach, brauchen wir gar nicht, meinen Sie? Stimmt eigentlich: Besser rumrüpeln als Westerwelle und Söder könnte es auch Lafontaine nicht. Das hatte der wohl schon voraus- geahnt. Trotzdem: In lichten Momenten möchte man den Außen- stürmern der Regierungskoalition zurufen: Hallo! Ihr seid gar nicht mehr vor der Tür, sondern schon mittendrin. Ihr müsst jetzt re-gie-ren! Besonders der ewige Guido scheint sich da noch nicht gefunden zu haben. Und dass für einen Bayern erst mal Bayern kommt und dann lange nichts, daran hat sich das Haupt- stadtberlin inzwischen ja schon fast gewöhnt.Kommission tagt ohne Mitgequatsche der LänderAber nun haben wir ja eine Kommission, und jetzt wird alles anders. Relativ unzweifelhaft liegt nämlich dieser Kommission zur Neu- ordnung der GKV-Finanzierung die Intention zugrunde, das Mitgequatsche der Länder zu unterbinden. Und das geht tatsächlich bloß mit folgender Teamregel: Nur Bundesminister sind zugelassen! Ganz egal übrigens, ob sie was von der Sache verstehen, oder ob sie mit dem ganzen Kram überhaupt nichts zu tun haben. Bundesminister Dirk Niebel darf wahrscheinlich nur deshalb nicht mitmachen, weil er sein Ressort eigentlich abwickeln wollte. Denn Entwicklungshilfe wäre in Röslers Kommissionstruppe mindestens genauso wichtig wie Innenpolitik. Mindestens!Na, nun warten wir erst mal ab, was dabei herauskommt, denn nach der arithmetischen Logik klappt ja ohnehin nicht, was Rösler sich warum auch immer vorgenommen hatte. Und da sind wir dann auch schon beim allergrößten und wirkungsvollsten Oppositions- politiker (aber dezidiert nur gegen Rösler): Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Der nämlich hat mit genießerischer Schaden- freude die Anfrage der Grünen aufgegriffen, wie und woher denn wohl 25 bis 30 Milliarden Euro Steueraufkommen zur Sozial- flankierung der GKV-Bedürftigen aufgebracht werden sollten. Und das haben die Grünen nicht nur so ganz platt gefragt, sondern in insgesamt 14 Varianten mit mehreren Untervarianten. Ach, war das eine Freude für das Finanzministerium. Seitenlang durfte man sich ausbreiten: So gehts nicht, und so geht es nicht, und so gehts auch nicht, aber so ginge es vielleicht, nur leider mit einem Steueranstieg von 100 Prozent, und so weiter, und so fort ... Mehr als an jeder Dauersöderei (eine hübsche Wortschöpfung der gesundheits- politischen FDP-Sprecherin Ulrike Flach) wird Rösler an diesen zehn Seiten aus dem Finanzministerium zu knabbern haben. Und den Grünen sei Dank für dieses oppositionelle Kabinettstückchen: So herrlich über Bande gespielt da sieht man so richtig, wie die alten Streetfighterkompetenzen im parlamentarischen Betrieb fröhliche Auferstehung feiern. Sozialflankierung für GKV-Bedürftige:
Halt, halt, hat dann allerdings sofort der Rösler gesagt. Er braucht ja gar keine 25 bis 30 Milliarden, sondern nur knapp zehn. ?? Hallo, gehts noch? Zehn Milliarden sind, mit Verlaub, auch ganz schön wuchtig und werden am eigentlichen Problem nichts Entscheidendes ändern. Nur mal so zum Vergleich: Die Gesamtausgaben des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (wie komme ich nur gerade darauf?) betrugen im Jahr 2009 schlappe 1,74 Milliarden Euro um mal eben die Dimensionen klarzumachen, mit denen der smarte GesundheitsRösler neuerdings herumjongliert. Kurz und gut: Die Bälle sind etwas schwerer geworden, die Wege steiler und die Luft bleihaltiger, und man darf gespannt sein, was vom Kommissionsleiter Philipp Rösler väterlich helfend flankiert von seinen Kollegen Schäuble und de Maizière am Ende noch übrig ist. Kann man sich irgendwie richtig bildlich vorstellen. |
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[05.03.10] |