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Wenn der Allgemeinarzt Arien schmettertFür den Allgemeinmediziner Dr. Friedrich Molsberger war der Weg in die Arztpraxis eigentlich erst die zweite Wahl. Zuerst machte er Karriere als Opernsänger. Heute behandelt er in seinen beiden naturheilkundlichen Privatpraxen auch viele Musiker.![]() Wenn zwei Herzen in einer Brust schlagen, muss man nicht straucheln (rechts Molsberger als Dottore Grenvil mit Lado Antaneli, Baritonstar, in der Rolle des Germont in "La Traviata", Deutsche Oper Berlin 2001)... Quelle: privat
Im Gegensatz zu seinen Kollegen kennt Molsberger die Arbeits- situation der Musiker sozusagen von innen: Er studierte sowohl Medizin als auch Gesang und gewann ausgerechnet während des ersten Staatsexamens den Bundeswettbewerb Gesang. Es folgten Jahre, in denen Molsberger als Bass mehrere Jahre lang im Solistenensemble der Deutschen Oper Berlin engagiert war, gleichzeitig sein AiP machte und die Akupunktur entdeckte. Er arbeitete täglich ein paar Stunden medizinisch und ein paar Stunden als Sänger. Im Jahr 2001 fiel dann die Entscheidung zugunsten der Medizin. "Der Beruf des Arztes ist ruhiger als der des Sängers", gibt er offen zu.
Schwerpunkt MusikerbetreuungHeute bildet die Betreuung von Musikern einen Schwerpunkt seiner Privatpraxis. Molsberger kennt sich und seine ehemaligen Kollegen. Er weiß, dass die eher sensiblen Musiker mit ihren hohen Ansprüchen als Patienten oft anstrengend sind. Ihm ist aber auch bewusst, wie schnell für einen Musiker eine Krankheit zur existenziellen Bedrohung wird.Wer einen Infekt hat, kann vielleicht noch am Schreibtisch sitzen oder als Arzt Akupunkturnadeln setzen. Singen dagegen ist mit verstopfter Nase und Husten nicht mehr drin. Andere Musikerkrankheiten sind dramatischer. Wenn beispielsweise ein Flötist an einer fokalen Dystonie erkrankt, ist die menschliche und finanzielle Krise vorpro- grammiert. Besonders häufig sieht der Allgemeinmediziner Orchester- musiker mit Problemen des Bewegungsapparates. Geiger beispiels- weise arbeiten in einer extremen Zwangshaltung, die oft schmerz- hafte Folgen nach sich zieht. Leistungssport Musik"Musiker sind eigentlich Leistungssportler", beschreibt Molsberger, "aber im Gegensatz zu Sportlern fehlt ihnen oft das Bewusstsein dafür."Eigentlich müssten Musiker Dehnübungen machen, ihre Muskulatur aufbauen und sich in den Konzertpausen warm halten anstatt verschwitzt im Innenhof der Oper zu plaudern. Die Realität sieht wohl oft anders aus. Trotzdem ist die Musikerszene überraschenderweise nicht die ideale Zielgruppe für Präventionsangebote. "Künstler sind nicht unbedingt rational", schmunzelt Molsberger, "manche sind übersensibel, und manche warten eher, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist." Akupunktur, Applied Kinesiology und OrthomolekularmedizinNatürlich kommen nicht nur Musiker in Molsbergers Praxis. Der Arzt unterscheidet zwei typische Zielgruppen von Patienten, die ihn als Spezialisten für Naturheilverfahren aufsuchen."Die einen kommen auf Empfehlung, weil sie medizinische Probleme wie Rückenschmerzen oder Migräne primär mit Akupunktur behandeln lassen wollen", berichtet er. Die andere Patientengruppe nennt er lächelnd seine Katastrophen-Patienten: austherapierte Patienten aller Fachrichtungen. "Um hier etwas zu bewirken, muss ich mit meinen Behandlungsangeboten weit über die Akupunktur hinausgehen", erklärt der Naturheilkundler. Er arbeitet in solchen Fällen beispielsweise mit einer Kombination aus Applied Kinesiology (AK), orthomolekularer Medizin und Störfeldtherapie. Molsberger arbeitet zwar intensiv mit Orthomolekularen Substanzen, es liegen aber keine Werbebroschüren zu Produkten in seiner Praxis aus. Er kooperiert mit mehreren Firmen und testet individuell, welche Produkte ein Patient verträgt. Auch Zusatzstoffe spielen seiner Erfahrung nach für die individuelle Verträglichkeit eine nicht zu unterschätzende Rolle. Eigentlich wäre diese Situation ideal für die Umsetzung eines praxisparallelen Shopkonzepts, aber Molsberger winkt ab. Er möchte seinen Patienten nichts empfehlen und schon gar nichts verkaufen, er schickt sie lieber mit einem Rezept zum Apotheker. Zwar wäre es manchmal eine gelungene Serviceleistung, einem Patienten nach dem Austesten "sein" Präparat in die Hand drücken zu können. "Aber diese ganze praktische Verquickung gefällt mir nicht", erläutert Molsberger, "ich möchte die Patienten einfach gut behandeln."
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